Der Ministerpräsident

Roman

Joachim Zelter

2010, 192 Seiten, geb. mit Schutzumschlag.
ISBN 978-3-940086-83-9

€ (D) 18,90 / (A) 19,50 [Preis inkl. Umsatzsteuer]

Auch als ebook verfügbar!



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Zwischen liebenswerter Ahnungslosigkeit und kindlichem Erstaunen, zwischen Fremdsteuerung und eigensinniger Selbstbehauptung erzählt der Roman einen um Erinnerungen und Selbstfindung ringenden Helden, der sich in einer Welt wiederfindet, in der Politik nur noch leere Inszenierung und inhaltsloser Schein ist.

Jetzt auch als Taschenbuch.
 
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2010.

 
»Chapeau! Ein radikales – und zugleich ein unendlich leises und zartes Buch: Die politisch instrumentalisierte ›Genesung‹ des nach einem Unfall erinnerungsgestörten Ministerpräsidenten Urspring verstümmelt sein Menschsein bis zur Unkenntlichkeit. Und doch gelingt es ihm, dank der besonderen Zuwendung einer jungen Frau, zu einem neuen, selbstbestimmten Leben zu finden. Joachim Zelters ›Ministerpräsident‹: ein tiefgründiger Roman über Macht und Moral, geschrieben mit der unnachahmlichen sprachlichen Prägnanz und dem Esprit eines Ausnahmeschriftstellers.« Manfred Zach, früherer baden-württembergischer Regierungssprecher und Autor des Politromans »Monrepos oder Die Kälte der Macht«
 
Eine politische Satire. Die punktgenau trifft.
 
»Nichts zu verstehen hat einen Politiker noch nie davon abgehalten, etwas zu sagen.« Manfred Rommel

»Manche Politiker halten einem Vergleich nur stand, solange man ihn nicht zieht.« Helmut Schmidt

Zum Inhalt:
Dass er einen Autounfall hatte, dass dabei einiges passiert sei, insbesondere in seinem Kopf und mit seinem Gedächtnis. Dass er zehn Tage im Koma gelegen habe und erst seit Kurzem wieder wach sei ... Und: dass er Claus Urspring heiße und er Ministerpräsident sei und es auch bleiben werde – ein politischer Begriff, ein Inbild der Vertrautheit und Unverrückbarkeit, der kurz vor einem alles entscheidenden Wahlkampf stehe ...
 
All das und noch einiges mehr erfährt Claus Urspring, ein von Wahlkampfhelfern und politischen Beratern Getriebener, ein soufflierter Mensch, der seit seinem Unfall kaum mehr weiß, wer er einmal war und was mit ihm eigentlich ist.
 
Ein paar Zeilen zur Probe:

»Dass es in einer Wahl nicht um Ideen gehe. Im Gegenteil. Es gehe um die Abwesenheit von Ideen. Oder darum, Ideen glaubwürdig zu verbergen. Oder sie zumindest so lange zu schleifen, bis sie keinen Schaden mehr anrichten. Darum gehe es.«

»Wahlkampf. Das klang wie Abitur oder Leben und Tod oder Jüngstes Gericht.«

»Und ich fragte März, den Referenten, aus einem Gefühl der Neugierde heraus: Da das eine Parteitagsrede sei, für welche Partei ich die Rede denn halten würde? März wirkte überrascht. Er antwortete: Natürlich für unsere Partei. Ich fragte ihn: Was ist das für eine Partei? Er blickte perplex. Dann ging er aus dem Zimmer.«
 

 
 

Das Buch zum Reinschauen:

Das Buch in der Kritik:

»Zelters Roman ist von Anfang bis Ende Satire und zwar eine sehr gute. Sie zielt nicht darauf, einzelne Personen bloßzustellen, sondern bestimmte Typen. Mit dem Fall Althaus hat der Fall Urspring wenig zu tun: Urspring hat niemanden in den Tod nur sich selbst ins Vergessen gerissen. Dadurch wird er selbst nach und nach zum Opfer, zum Spielball politischer Macht. Erwartet man anfangs noch, dass die Tontechnikerin Hannah seine Rettung sein könnte, so lässt sich Zelter auf ein solch billiges Happy End nicht ein. Worauf sich Zelter verlässt, ist die Sogwirkung von Konjunktiv und indirekter Rede, ist die Eingängigkeit kurzer Sätze.« Tobias Lehmkuhl, Süddeutsche Zeitung
 
»›Der Ministerpräsident‹, der soufflierte Mensch: eine komische, prägnante Satire auf den politischen Betrieb, zugleich eine zartbittere Trauerschrift über die Entfremdung der Politik von den Menschen« Südwest Presse
 
»Es ist eine bitterböse, am Schluss sehr traurige Satire, die Zelter erzählt. Sie entlarvt den Politikbetrieb als zynische Inszenierung. Als übles, unmenschliches Schmierentheater. Und sie zeigt, warum womöglich so viele Akteure in letzter Zeit die Lust daran verloren haben – von Köhler über Koch bis Ole von Beust.« Jobst-Ulrich Brand, Mitglied der Jury für den Deutschen Buchpreis, Focus
 
»›Der Ministerpräsident‹ leuchtet auf beinahe märchenhaft wirkende Weise aus, wie Sachzwänge und Rollenmodelle innerhalb der politischen Klasse ein Subjekt zum Objekt zurichten. Und er schildert den Protest eines lädierten, durchgeschüttelten Bewusstseins dagegen – das in Ursprings Fall in vieler Hinsicht klarer ist als das derjenigen Politiker, die einfach nur gut funktionieren wollen.« Sabine Peters, Der Freitag
 
»Zelter schreibt bei aller karikaturhaften Überzeichnung des heutigen Regierungsgewerbes eine in Teilen ziemlich lebensnah wirkende, politische Parabel: Wähler sind Mittel zum Zweck. Dieser heißt Macht, Überzeugungen sind Nebensache, Inszenierung ist alles; alles ist Inszenierung. Die Demaskierung von Auswüchsen des heutigen Politbetriebs gelingt dem Roman spielend.« Christoph Schreiner, Saarbrücker Zeitung
 
»Joachim Zelters brillante Politsatire bedient sich eines feinen, aber nicht minder schneidenden Humors, der zuweilen an Loriot erinnert. Neben der indirekten Rede wecken auch die herrlichen Wortschöpfungen wie vielverheißend, Unabwendbarkeit, Erleichterungsapplaus oder Fehlervermeidungsreden Assoziationen an den frühen, ekstatischen Thomas Bernhard.« begleitschreiben.de
 
»Der Unfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus mag ein Anknüpfungspunkt für den Roman Zelters gewesen sein. Zudem mögen dem Leser Eigenschaften anderer Politiker oder politische Kampagnen (wie ›Wir können alles außer Hochdeutsch‹) bei der Lektüre des Romans in den Sinn kommen. Die Stoßrichtung des »Ministerpräsidenten« ist eine andere. Zelter geht es mit dem Fall Claus Ursprings nicht um eine wohlfeile Politikerschelte oder um eine billige Politiksatire. Der promovierte Anglist zeigt vielmehr die Inszenierung des Scheins, das Funktionieren und Scheitern von Rollen, die nicht nur für Politiker gelten. Zelter zeigt einen um Individualität ringenden Menschen, einen weisen Narr im klassisch-tragikomödischen Sinne. Entstanden ist dabei ein gleichermaßen witzig-komischer wie nachdenklich stimmender Roman.« Literaturkritik.de
 
»Die Stoßrichtung des Romans ist keine platte Politsatire. Es geht mit dem Fall Claus Urspring vielmehr um die Inszenierung des Scheins, das Funktionieren und Schietern von Rollen, die nicht nur für Politiker gelten.« Heilbronner Stimme
 
»Der Erzähler bewertet nichts, er fremdelt höchstens und staunt, auch über sich. Zelter kann so den bösesten Einblick in das Politikgeschäft geben, ohne uns mit einer zwangsläufig platten Reflexion zu plagen. Zugleich stellt er einen in existenzieller Hilflosigkeit befindlichen Helden vor. Das ist einmal ein Roman, dem wirklich viele Leser zu wünschen sind, am liebsten auch jüngere Menschen, die sich in Parteien engagieren.« Frankfurter Rundschau
 
»Faszinierender Roman über menschliche Moral und Ethik. Sehr zu empfehlen.« ekz
 
»Ein entlarvendes Stück Literatur, das den Vorrang der Inszenierung vor dem Inhalt im
politischen Geschäft in grelles, gnadenloses Licht taucht und zugleich leichte, heitere Momente

kennt. Dabei erweist sich die Wahl der Erzählperspektive als Geniestreich. Denn der Tübinger

Autor lässt den Ministerpräsidenten berichten – vom Aufwachen im Krankenbett bis zur

aberwitzigen Wahlkampftour, bei der Urspring zum Double seiner selbst wird. Der Amnesie-

Patient Urspring staunt wie ein Kind über den Politiker Urspring, der als Marionette des

Wahlkampfstabs funktioniert.« Leipzig Live
 
»Eine wunderbar komische Polit-Satire. Ein absurdes und scharf beobachtetes politisches Sittenbild.« Julia Encke, Mitglied der Jury für den Deutschen Buchpreis, WDR5 »Bücher«
 
»Der Ministerpräsident« ist nicht auf eine politische Satire zu verkürzen. Eine Parabel wird erzählt, die auf Wichtigeres zielt: Selbstbehauptung, die voraussetzt, dass ein Selbst zu finden ist fern aller Fremdsteuerung. Die Frage der Überforderung eines Mannes ist aufgeworfen – und die Möglichkeit dargetan, auszubrechen, ehe alles zu spät ist.« Badische Zeitung
 
»Zelter weiß genau, wann der Bogen überspannt wäre, und agiert mit intelligentem Humor, mit Worten und Handlung an und auf diesem Spannungsbogen.« Literaturcafé.de
 
»Der Ministerpräsident ist ein Buch über den Irrsinn des Politikbetriebs, in dem es um Öffentlichkeitswirkung, Wählerstimmen und Umfragewerte geht. Also um Schein statt um Sein. Ein Ewigkeitsthema. Und eine Ewigkeitsfigur: der Narr. Denn durch seinen Unfall und die dort erlittenen Defizite wird Urspring zumindest teilweise in den Stand eines Kindes versetzt, erhält auch ein gewisses Maß an amoralischer Anarchie. Das ist befreiend komisch. Das Sujet ist klar, die Geschichte übersichtlich, wie aus einem Guss erzählt. Diese Einfachheit ist neben dem traumsicheren Sprachgefühl der Trumpf dieses Romans. Er ist grobkörnig, aber sehr genau. Er überzeichnet, stellt heraus, schert sich wenig um Glaubwürdigkeit dort, wo sie ihm nicht wichtig erscheint, erlaubt sich hier sogar ab und an einen Spaß, als wollte er sagen: Habe ich nicht nötig. Dort wo es allerdings nötig ist, trifft er allerdings zielsicher, das ist sein Realismus, der Realismus eines Satirikers.« Schwäbisches Tagblatt
 
»Eine geistvolle Satire!« Buchmarkt
 
»Politik ist bei Zelter eine Welt des Scheins, der Propaganda, der bloßen Hülle ohne Inhalt. Natürlich ist das nichts Neues. Doch Zelter hat seine These witzig und raffiniert in Fiktion gegossen. Sein Kunstgriff ist simpel wie bestechend. Mit der Erfindung des tumben Toren Claus Urspring, der zur Marionette seiner Partei wird, kann sich Zelter genüsslich über die Hohlheit hermachen, die Politik nicht selten auszeichnet. [...] Joachim Zelter zieht den Leser mit Macht und mit zugleich großer Leichtigkeit durch seinen Erzählstrom. Es gibt keine Kapitel, atemlos gleiten die Sätze voran. Man glaubt de Erzähler flüstern zu hören, in der charakteristischen Zelter’schen Scheinnaivität, hinter der sich maliziöse Schärfe verbirgt.« Stuttgarter Zeitung
 
»Diese geschliffenen Sätze, dieser feinsinnige Humor, der so locker daher kommt, der aber oft bitterböse sein kann und der gekonnt die Phrasen von (Un)Menschen mit ein paar gezielten Worten bloß stellt, die ganze gekonnte Rhetorik, das ist der Joachim Zelter, wie man ihn von seinen Lesungen und Büchern kennt und schätzt.« Reutlinger Generalanzeiger
 
»Ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Aus mehreren Gründen. Weil es ungeheuer präzise die Folgen einer Gehirnschädigung beschreibt und wie die Umwelt damit nicht umgehen sollte. Weil Zelter so schön wie kitschfrei den Mut des Kranken und seine langsam erwachende Zuneigung zu Hannah schildert. Weil man das Buch aber außerdem als Polemik gegen die Politiker von heute lesen kann und als Politsatire. Oder als Entwicklungsroman von einem, der gezwungen wird, das Leben neu zu lernen. Ich wünsche dem “Ministerpräsidenten” viele, viele, viele Leser!« readme.de
 
»Die gute Satire nämlich lässt den Leser glauben, dass all dies, so unwahrscheinlich es klingt, doch möglich und vielleicht sogar längst Wirklichkeit ist. Dass sie, in diesem Fall, auch prächtig unterhält, darf nicht vergessen werden.« Cicero
 
»Joachim Zelter geht es um die Sprache des Polit-Betriebs und um die Sprache, die einen Menschen ein Stück weit zu dem macht, was er ist. Eine tolle Lektüre!« Hamburger Lokalradio
 
»In der Form so rund und knackig wie nie, so gewohnt und verwegen geschrieben wie immer.« Xaver
 
»Eine so beklemmende wie desillusionierende Satire auf die aufgeblasene Leerlaufmaschine Politikbetrieb, tragisch und auf rührende Weise komisch.« HNA
 
»Unter den deutschsprachigen Romanciers ist Joachim Zelter einer der größten Stilisten. Beiläufig demonitiert er die politische Sprache und ihre nichstsagenden Floskeln, und zwar buchstäblich. Erschreckende ist, wie genau Zelter politische Realität abbildet und als wie austauschbar er selbst politisches Führungspersonal entlarvt. Die Welt der Politik setzt er gegen die Welt des Menschlichen. Zelters Sprache hingegen ist hochmusikalisch und glasklar. Quasi als Kontrapunkt zur politischen Leere, die mit Worthülsen kompensiert wird, erzählt Zelter ohne jedes überflüssige Wort, frei von jeder Attitüde, zugleich schlicht und komplex wie eine Komposition von Bach.« Matthias Kehle, Badisches Tagblatt  


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